Wolfgang Wende

Als ich einmal einen Ausflug ins Blaue machte
und mich auf einem Quadrat wiederfand, welches mir gleichzeitig Halt und Eroberung gab in einer Art von endlosem Echo in gespiegeltem Blau. Mit zarten Linien webte ich darüber ein Gitter aus Gold, aus dem -gewogen und geschwenkt- ein Kubus wurde, in dem wiederum Räume entstanden von unterschiedlicher Gestalt und Größe: mal fühlte ich mich wie in meines Vaters Haus und entdeckte dort jede Menge Wohnungen, dann wieder wie in einem ausgedehnten Garten, an den sich ein Hafen anschloß, es konnte aber auch ein Gehirn sein in einem Schädel, den ich aus japanischem ReisPapier riß, dergestalt, dass ich es an den wichtigen Stellen wegließ, so dass der blaue Raum mit ihm bedeckt wurde umhin und der Schädel dann, das Haus oder der Baum oder der Garten herausgerissen, bis die tatsächliche Form erschien.
Dabei durfte es durchaus Verwerfungen geben, Wülste und Falten, das gehörte nun mal zum Geschäft, die Spröde des Papiers, immer wieder geglättet durch das Streichen mit der flachen Hand, dem Arbeiten schmiegend mit und reißend gegen das durchtränkte Material, weißer Himmel mit blauen Wolkenlöchern über hundert Wassern, überm blauen Strom, der sich oberhalb der Menge ergießt:
Schattenrisse gereiht, verplombte Katakomben, Touristenüberfluss, wie dem entkommen?
Es führt ein Weg umhin, immer um die Schablone, jedoch ohne am Papier zu kleben, wie dies wiederum an der Farbe auf der Leinwand des Quadrats, welches nun, nachdem es eine Weile abgehangen hat, doch noch mit mir spricht und prompt von mir verlangt mit Altem Goldgrün bis in die Höhe des Wipfels des Schädels betuscht zu werden, auch wenn es dabei kichert hin und wieder ein wenig, dann mehr, dann schließlich lachend aufgibt und den Titel spreizt.